Archive for December 2009
Pop is honest and so am I
Seit mindestens fünfzig Jahren beschäftigt man sich schon mit der Frage der Kunst für die breite Masse, „populärer Kunst“, einer Richtung, die sich mittlerweile als Pop-Art etabliert hat. Sie beruht auf dem Gebrauch von Produkten, die in der Konsumwelt allgegenwärtig sind. Dieser Weg lässt sich freilich auch in umgekehrter Richtung beschreiten, indem man Objekte schafft, die infolge ihrer medialen Allgegenwart schliesslich zu einer Ikone, einer „Celebrity“ werden.
Fabian Chiquet, auch als Musiker der Gruppe „The Bianca Story“ bekannt, erkennt das Phänomen und thematisiert es in seiner letzten Ausstellung, die zurzeit in der Galerie Claudia Groeflin in dem weniger schönen Quartier Kreis 4 zu sehen ist.
Die Ausstellung besteht aus Kollagebildern, aus der Kombination von Schrift und Illustration mit Spray, Acrylfarben und Bleistift und einer, wie ich meine Zusammenfassung der Aussagen des Künstlers über diese Werke in Form einer Videovorführung im unteren Stock.
Das Video, das aus Szenen verschiedener Künstler wie Chris Cocker und Lady Gaga besteht, zeigt Ausschnitte aus verschiedenen Aufführungen derselben. Die Stimme des Künstlers (?), die das ganze Video untermalt, erklärt, was seine Gedanken und Vorstellungen von Erfolg beim Volk sind. Er zählt vier Wege auf, wie ein Künstler sich im Geist des Volkes einnisten kann. Bei diesen Wegen geht es nicht etwa um eine Orientierung darüber, von welchem Niveau das Kunstwerk bzw. die Musik sein soll, sondern es geht darum, wie ein Künstler sich durch Selbstinszenierung populär machen kann. Das Kunstwerk und dessen Botschaft bleiben dabei unerwähnt. Wie ein Künstler bzw. die „icon“, als die er auftritt, aussieht, auf welche Art seine Musik aufgeführt wird, wie er auf der Bühne wahrgenommen wird und wie die effektive Aufführung ist, sind die Wege, die ein Künstler bis zum Erfolg beschreiten muss.
Diese Botschaft durchzieht Chiquets Bilder, die im ganzen oberen Raum aufgehängt sind, jede Kollage mit einer Botschaft, wie dieses berühmt Werden gelingen soll: „Speak their language“ oder „Do you want love or do you want fame?“.
Fabian Chiquet ist nicht der erste und bestimmt nicht der letzter Künstler, der dieses Thema anspricht. Es ist in der Tat eine versteckte Wahrheit, die jeden Künstler umtreibt. So ist der Titel der Ausstellung „Pop ist honest und so am I“ insofern eine ehrliche Aussage Chiquets, als er sich in seinem jungen Künstlerleben dieser Problematik, der er ausgesetzt ist, stellt.
Künstlerteliers der ZHdK
Donnerstag, 19. November 2009

Besuch der Ateliers der ZHdK
Dass die Ateliers so weit von der Hochschule der Künste sind, habe ich nicht realisiert. Nachdem ich andere, die wie ich umherirrten, im Hof des Museums für Gestaltung getroffen habe, und erst nach dem Telefongespräch mit Marcel stellt sich heraus, dass die Ateliers an der Förlibuckstrasse liegen. Gut: Einige Gespräche über das Studium und die neu eintretende Studentenproteste füllt unsere gemeinsame Fahrt dorthin, und dann treffen wir uns mit Marcel und Kostas Manolakiis, ein Studierender der HdK, der uns durch die Ateliers führt.
Das Gebäude, Teil des Swisscom-Gebäudes, seine Gänge, der Lift und schliesslich die Ateliers selber sehen mehr wie für alle möglichen Büroalltagszwecke geschaffen aus als wie eine Stätte für Kunstschaffende. Vielleicht auch deshalb gibt es schon vor dem Eingang die erste Installation im Gang und eine andere weiter hinten im Gang, so dass zumindest eine obligate Grünpflanze auf am Teppichboden einem den Inhalt dieser Räumlichkeiten besser erahnen lässt.
Jeder Raum, der je nach Grösse unter zwei oder drei Studierende aufgeteilt wird, lässt doch jedem Künstler einen eigenen Raum zur Gestaltung der Werkstatt. Von Brettern, Leim, Nägeln bis Fotographien, Leim und Farbe ist auf diesen Flächen alles zu sehen. Die Künstler sind, soweit wir mitbekommen haben, in gemischten Disziplinen auf die Räumen verteilt. Von Studierenden des Designs bis Fine Arts und Performance sind viele nebeneinander am Arbeiten, obwohl wir an diesem Donnerstag Nachmittag/Abend nur selten Personen vor Ort am Arbeiten sehen. Entweder waren sie schon am Tag dort und machen jetzt Feierabend, oder sie beginnen, wie für die Branche üblich, erst in den ruhigen Nachstunden an.
Wir kommen zum Atelier eines Künstlers, der uns seine momentane Arbeit präsentiert und uns Bilder und „Töne“ seine Installation sehen und hören lässt. Er ist ein etablierter Künstler, der aber zwecks Austausches mit Mitstudierenden und Dozenten den Masterstudiengang angepackt hat und seine angestammte Tätigkeit in diesem Rahmen weiterführt. Er präsentiert uns seine „Schallinstallation“ anhand eines Bildes auf dem Bildschirm und lässt die Töne der Installation hören. Er zeigt sich glücklich darüber, dass seine Werke nicht nur einem Ausstellungspublikum zugänglich sind, sondern ein Mittel des wissenschaftlichen Diskurses werden.
Was dieser Ort für seine Nutzer auch immer bedeutet, es ist wichtig, dass man sich darin inspiriert fühlt. Es ist wie ein Gefühl, wo und wann man am besten eine gelungene Seminararbeit schreibt. Manchmal sind gewisse Orte in einer Bibliothek besonders einladend zum Arbeiten. Sind es die Lichtverhältnisse? Ist es die Ruhe und die Musse, die ein Ort ausstrahlt, oder ist es eine spontane subjektive Wahrnehmung? Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass diese paar wenigen Quadratmeter an kreativem Freiraum den Künstler bis in die Ausführungsphase des Kunstwerks den Künstler ansprechen sollten, damit er fähig ist, dort gelungene Werke zu schaffen.
Alles in allem ein tolles Angebot der ZhdK, den Künstlern eigene Werkateliers zur Verfügung zu stellen.









